Grußwort von Kai Jentsch (Vorstand nordfreun.de) anlässlich des 8. Bundestreffen der Regionalbewegung in Hamburg am 3. und 4. Juni.


Sehr geehrter Herr Sindel, Sehr geehrte Frau Dr.Schneider, Sehr geehrter Herr Minister Meyer, Sehr geehrter Herr Buchwald, lieber Herr Pitz, Sehr geehrte Frau Prof. Dr. Theurl und Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Gottwald und Sehr geehrte Frau Nefzger Regio Marketing GmbH, Frankfurt die gemeinsam mit uns die Kriterien entwickelt hat und damit die Grundlage für das Handeln der Nordfreun.de mit geschaffen hat.
Sehr geehrte Damen und Herren! Herzlich willkommen in Hamburg!
Hamburg, wie wir Hamburger sagen: die schönste Stadt der Welt!
Sie haben sich sicher schon davon überzeugen können, sie sind in der Stadt mit den meisten Musicals nach New York und London. Die Stadt mit dem größten innerstädtischen See, eine kleine Kreuzfahrt haben sie bereits gestern abend unternehmen dürfen, die Stadt mit den meisten Brücken Europas, wer will schon nach Venedig?, die Stadt mit dem weltgrößten Friedhof innerhalb der Stadtgrenzen, einen 400 Hektar-Park hat nicht jeder. Beim Blick über die Straße sehen sie den Michel, unsere Hauptkirche, übrigens mit einer Hauptpastorin. Dahinter sehen sie dann im Hafen eines der weltgrößten Kreuzfahrtschiffe, die Queen Mary 2, die wir extra für Sie haben eindocken lassen, damit sie ganz in Ruhe das gesamte Schiff sehen und nicht nur den Teil über Wasser.
Kurzer Schwenk nach links, unser Juwel, lieb und teuer, aber wir haben immerhin einen Eröffnungstermin für die Elbphilharmonie, sowas hat auch nicht jeder. Und wenn wir vorher erzählt hätten, was das Ding kosten wird, wäre es nie gebaut worden. Hamburg ist aber auch:
Lebhafte Stadtteile wie Eppendorf und Ottensen, wie Altona und St.Georg. St. Pauli kennt jeder, aber waren sie schon in der Bullerei? Oder auf Kampnagel? Oder in der Fabrik? Oder in der Motte? Bei einem Gang durch die Stadt, oder besser einer Fahrradtour am Sonntag vormittag, wenn noch wenig Autos unterwegs sind, erleben Sie ständig Dinge, die niemand mitten in der zweitgrößten Stadt Deutschlands vermutet hätte. Von futuristischen Gebäuden, kennen Sie das Gruner und Jahr-Haus?, bis zu ehrwürdigen Kaufmannspalästen, radeln Sie mal die
Elbchausee hoch, und wieder Ecken, die überraschen, z.B. die alten Reetdachkaten am Rande des Jenisch-Parks oder die vielen kleinen inhabergeführten Läden in der Schanze. Danach setzen Sie sich ins Auto und fahren einmal über die Köhlbrandbrücke um die Dimension des drittgrößten europäischen Hafens auf sich wirken zu lassen. Und wer dann langsam wieder runterkommen will, nimmt sein Moped, so nennt man bei uns die Harley-Davidson des Zahnarztes von gegenüber, und fährt am Sonntag nachmittag quer durch Vierlanden zum Zollenspieker Fährhaus um an der Elbe in der Sonne zu sitzen und ein Astra zu trinken. Und dann haben Sie die Reiseführer Highlights alle noch nicht gesehen und waren auch noch nicht shoppen…
Aber kommen wir zum Punkt:
Hamburg kann eine Geschichte erzählen. Und deswegen kommen immer mehr Menschen hierher um diese Geschichte zu erleben und daran teilzuhaben. Die Welt lebt von Geschichten. Und unsere kleine regionale Welt, bei ihnen und mir zu Hause lebt von den Geschichten, die wir unseren Produkten mitgeben können. Der Blumenstrauß aus glaubwürdig-regionaler Ware ist für sich alleine ohne Geschichte drumrum erstmal nur ein schöner Blumenstrauß. Wer ihre Gemüse-Abokiste kauft, kauft keine Kartoffeln oder Salat. Der kauft das gute Gewissen, gute Produkte von ehrlichen Leuten und glaubhaften Produktionsbedingungen erworben zu haben. Schön, wenn auch Kartoffeln drin sind. Wichtig ist, das wir unsere Geschichte erzählen. Das wir zu Gehör bringen, was an unseren Produkten besser, ehrlicher, liebenswerter, glaubwürdiger – kurz anders ist. Geiz ist geil ist vorbei. Die Menschen möchten mit ihrem Einkauf ein Statement setzen. Gegen Schweinefabriken und Kühe, die vor Euter kaum laufen können. Für eine lebenswerte Umwelt, Landwirtschaft und bäuerliche Struktur in ihrer Nähe. Nur so wie sich ein vom sogenannten Landleben entfernter Städter bäuerliche Landwirtschaft vorstellt, ist das Bild doch meist ein bißchen idealisiert. Es ist an uns, dieses Bild in den Köpfen der Verbraucher zu zeichnen. Wir müssen beschreiben, wie ehrliche Viehhaltung aussieht und was bäuerliche Landwirtschaft bedeutet. Wir müssen die Türen der Gewächshäuser und Ställe öffnen. Und zeigen, was dahinter passiert. Nur dann können wir mit dem ehrlichem Interesse der Verbraucher rechnen.
Es ist vielmehr an uns allen, ein möglichst glaubhaft ehrliches Bild der heutigen Strukturen zu schildern und gleichzeitig uns auf den Weg zu besseren Bedingungen für Mensch und Tier zu machen.
Globalisierung und Konzentration von Teilen der Wertschöpfungskette sorgen dafür das Produkte anonym werden. Die Geschichte hinter dem Produkt wird nur bekannt, wenn es sich um einen vermeintlichen Skandal handelt. Ansonsten bleiben die Prozesse im Dunkeln. Entscheidungen wie kürzlich die Schreddererlaubnis für männliche Küken zeigen deutlich, wie weit unserer ethischen Grundsätze auseinandergehen. Das es auch anders geht, beweist die Aktion „Bruderhahn“. Wir brauchen aber auch den Verbraucher, dem diese Geschichte etwas wert ist. So wie der Hamburg-Urlauber ganz selbstverständlich akzeptiert, das hier in der Stadt alles etwas teurer ist, so ist es an uns, dem Konsumenten zu erklären, das es ein gutes Gewissen nicht zum Nulltarif gibt. Wer seine Tiere besser behandeln will als die Mindestvorgaben der Gesetze und damit als die gelebte Praxis der Großen, der muß erklären können, worin der Mehrwert liegt.
Kommunikation ist bereits heute die Kernaufgabe der bäuerlichen Landwirtschaft aber leider noch nicht die Kernkompetenz. Und nur wenn uns diese Kommunikation mit dem interessierten Verbraucher gelingt, haben wir eine Zukunft verdient. An dieser Stelle kommt Politik ins Spiel.
Wir alle müssen uns aufmachen, die Grenzen der bisherigen Agrarpolitik aufzuzeigen. Politik lebt von Informationen und Politiker können nur über Zusammenhänge entscheiden, die Ihnen bekannt gemacht werden. Die Frage, ob in unserem heutigen Rechtsrahmen neben den Wirtschaftlichen auch die veränderten ethischen Grundsätze weiter Teile der Bevölkerung noch
entsprechend repräsentiert werden, gilt es zu diskutieren.
Die Nordfreun.de bewegen sich auf dem Gebiet der Metropol-Region Hamburg und haben mit den vier hier vertretenen Länderregierungen zu tun. Ohne die Unterstützung besonders der Behörde für Wirtschaft, Innovation und Umwelt würde es die nordfreun.de nicht geben. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön für das entgegengebrachte Vertrauen.
Diese Unterstützung ist natürlich nicht selbstlos, sondern eingebettet in die Nachhaltigkeitsstrategie Gartenbau und diese wiederum in das Leitprojekt „Aus der Region-für die Region“.
Hier hat die Metropol-Region erkannt, das regionale Netzwerke ganz wesentlich zur Verbesserung der Wertschöpfungsketten für die regionale Produktion beitragen und damit die Lebensbedingungen der Bürger in der Metropolregion positiv beeinflussen. Daran möchten wir gerne mit Ihnen gemeinsam weiterdenken und Lösungsansätze finden. Wir alle leben in unserem regionalen Umfeld mit dem Wissen, das unser Handeln jederzeit kontrollierbar ist. Wir haben nur diese eine Produktionsstätte und nicht Filialen in Übersee, in die wir die unerwünschten Produktionsmethoden verlagern können. Wir zahlen unsere Steuern hier im Dorf und lassen unsere Wertschöpfung ebenfalls genau hier. Unsere Betriebe und Projekte sind im besten Sinne transparent. Wir lieben was wir tun- daher müssen wir auch nie zur Arbeit.
Ich wünsche uns allen einen guten weiteren Verlauf und lassen Sie uns gemeinsam ein paar schöne Tage in der schönsten Stadt der Welt genießen.
Vielen Dank!